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J - Die Anatomie einer guten Tracht Prügel

Ein Blick hinter die Kulissen unseres Impact-Play-Workshops im Atrium

von Hekate

Immer mehr unserer Gäste wünschen sich Rohrstöcke, Flogger, Peitschen – und zunehmend längere Sessions. Nicht nur als kurzes Pain Play, bevor das „eigentliche“ Spiel beginnt, sondern oft fünfundvierzig Minuten oder länger, in denen Impact Play den Mittelpunkt der gesamten Session bildet.

Also taten wir das, was wir im Atrium immer tun, wenn das Interesse unserer Kolleginnen und Kollegen groß genug ist: Wir machten daraus einen internen Workshop zum Austausch von Wissen und Techniken. Sieben Kolleginnen und Kollegen kamen zusammen und verbrachten gemeinsam mit mir und Master Samaeleinen Abend, der ganz der Technik und Kunst des professionellen Impact Plays gewidmet war. Gemeinsam beschäftigten wir uns mit Technik, Physiologie und dem richtigen Tempo – und gingen der Frage nach, was aus einer guten Tracht Prügel eine unvergessliche Session macht. Hier sind unsere fünf wichtigsten Erkenntnisse.

1) Hautvorbereitung ist alles

Eine Haut, die etwa eine halbe Stunde lang sorgfältig vorbereitet – oder, wie wir sagen, „geledert“ („leathered up“) – wurde, hält erstaunlich viel länger durch als Haut, die kalt getroffen wird. Ein warmer, tiefrot durchbluteter Körper kann Leder, Gummi, Kunststoff und Holz problemlos über eine Stunde hinweg aufnehmen, ohne dass die Haut aufreißt. So kann sich die Intensität kontinuierlich steigern.

Wenn Blut Teil der Fantasie ist, kann es immer noch später kommen. Reißt die Haut zu früh auf, verkürzt das die Session und bringt praktische Herausforderungen mit sich: Blut lässt sich nur schwer kontrollieren, und das Leder eines Floggers kann nach Blutkontakt nicht mehr desinfiziert werden. Das richtige Timing schützt die Haut, das Equipment und vor allem das Erlebnis.

2) Den Pain High kann man nicht beschleunigen

Die erste halbe Stunde ist keine Verzögerung – sie ist der Moment, in dem der Körper beginnt, seine eigene Arbeit zu leisten.

Während sich das Nervensystem auf den Rhythmus der Session einstellt, schüttet es Endorphine, Endocannabinoide und andere körpereigene Schmerzmittel aus. Genau hier beginnt der berühmte Pain High: der Moment, in dem Schmerz nicht unbedingt verschwindet, sondern sich in etwas zutiefst Lustvolles verwandelt. Diese Chemie lässt sich nicht beschleunigen, egal wie ungeduldig beide Beteiligten auch sein mögen. Genau deshalb bevorzugen viele erfahrene Masochisten Sessions, die Raum haben, sich zu entfalten.

3) Jeder Körper hat seine eigene Sprache

Nachdem der theoretische Teil des Workshops abgeschlossen war, wurde es Zeit für die Werkzeuge. Schwere Lederflogger erzeugen tiefe, rollende Schläge, die bis in Muskeln und Knochen reichen, statt nur auf der Haut zu landen. Hekate zeigte, wie eine saubere Technik überraschend hohe Intensität erzeugen kann – und das mit deutlich weniger Kraftaufwand, als die meisten vermuten würden.

Rohrstöcke und Singletails erzählen eine andere Geschichte. Sie sind schärfer, direkter und präziser und verlangen jeweils ihre eigene Technik und den nötigen Respekt. Master Samael demonstrierte den Umgang mit beiden – sowohl mit als auch ohne die Absicht, die Haut zu öffnen.

Im Laufe des Abends wurde deutlich, dass kein Schlaginstrument grundsätzlich „besser“ ist als ein anderes. Jeder Mensch hat sein eigenes Schmerzprofil – die ganz bestimmte Art und Tiefe von Empfindung, die ihn genau dorthin bringt, wo er sein möchte.

Unsere freiwillige Kollegin Mistress Koto entpuppte sich als echte Liebhaberin tiefer, dumpfer Schläge. Nach zehn Minuten begann sie sichtbar, die Schläge zu genießen, und nach einer halben Stunde unter den Floggern war ihre Veränderung unübersehbar. Die Anspannung wich aus ihrem Körper, ein breites Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, und sie glitt in diesen ruhigen, schwebenden Zustand, in dem jeder weitere Schlag sie noch tiefer sinken ließ. Sie war vollkommen präsent, entspannt und glücklich.

4) Das richtige Tempo schafft das Erlebnis

Ich erzählte die Geschichte eines Gastes, der zuvor in einem anderen Studio ein extrem intensives Spanking erlebt hatte. „Es war schön“, sagte er ihr, „aber ich fühlte mich überfordert.“ Diesmal wünschte er sich eine etwas sanftere, dafür deutlich längere Session – und stellte fest, dass langsamer keineswegs weniger intensiv bedeutete. Es gab seinem Körper einfach die Zeit, dorthin zu gelangen, wo er hinwollte – und er verließ das Studio mit einem Lächeln, das für sich sprach.

Master Samael zeigte die andere Seite derselben Medaille. Für Gäste, die Dominanz und rohen Schmerz statt eines Pain Highs suchen, kann Geschwindigkeit ein wichtiges Werkzeug sein. Einige präzise gesetzte, kalte Rohrstockschläge reichen oft aus, um anfängliche Kontrolle und Widerstand schnell zu durchbrechen und den Gast schon früh in der Session in eine tiefe, verkörperte Submission sinken zu lassen.

Unterschiedliche Ziele verlangen unterschiedliche Wege – die eigentliche Kunst besteht darin zu erkennen, welche Reise der Gast sucht.

5) Den Punkt finden – nicht das Extrem

Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass Masochismus bedeutet, möglichst viel Schmerz auszuhalten. Tatsächlich ist das irreführend, denn die bevorzugte Schmerzschwelle ist zu einem großen Teil genetisch bedingt. Beim Masochismus geht es um die Liebe zum Schmerz – und darum, genau die richtige Dosis zu finden.

Zu erkennen, was ein Gast wirklich braucht, unterscheidet professionelles Impact Play von „ein bisschen Floggern“. Und genau das macht letztlich den Unterschied zwischen einer guten Session und einer, die Gäste nicht vergessen – und immer wieder erleben möchten.